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Südostschweden – Eine 10-tägige Rundreise ab Stockholm

Südostschweden – Eine 10-tägige Rundreise ab Stockholm

Schweden

Eine Rundreise in Südostschweden abseits der Pfade: Wandern, Safari und Zimtschnecken

Eigentlich wären wir grad woanders. Das Familienhotel hat aber unseren Aufenthalt wegen Bauarbeiten gecancelt, und so stellt sich für uns die Frage: Wohin gehen wir? In die Wärme oder in die Kälte? Wir haben uns für Letzteres entschieden und wollten eigentlich wieder in den Süden von Schweden – dieses Mal aber an die Ostseite. Eigentlich. Ich aber trage meinen dreihundertsten Infekt in mir, und so lautet unsere Devise: hygge – aber in schwedischer Form: mys, landom – oder einfach gemütlich – auf schwedische Art und Weise. Passend dazu übrigens das Bildmaterial. Ich hab in der Eile des Gefechts, das falsche Objektiv eingepackt und so sind alle Fotos mit der 45cm-Linse entstanden.

Unsere Route in Südschweden

Die Pläne waren da. Okay, sie sind da. Für ein anderes Mal. Wir sind also einfach nach Lust und Laune und Gesundheit dahin gezogen, wo es eben grad stimmig für uns war. Mehr Gemütlichkeit, dafür aber weniger Sightseeing. Dafür mehr Zeit in der Sauna, mehr Zeit auf Spielplätzen, mehr Zeit bei der Fika und mehr Zeit für Buch und Spiel. 

Stockholm Flughafen: Flugzeuge bestaunen im Flughafenhotel 

Unser Abendflug geht perfekt auf. Der kleine Mann schläft wunderbar durch, wir lesen entspannt und geniessen die winterliche Vor-Ferienstimmung. Kurze Randnotiz: So entspannt, wie eben ein Flug mit Erkältung und geschlossenem Ohr ist – aber ich schwöre mittlerweile auf Mephadolor und Kortisonnasenspray, was letztlich auch gut funktioniert hat.
Kurz nach 23.00 Uhr kommen wir an und holen unser Gepäck und laufen vom Flughafen über eine Passage durch ein anderes Hotel und müssen nur noch die Strasse überqueren und schon sind wir im Comfort Hotel Arlanda. 

Was für eine Überraschung: Wir erhalten ein Family XXL Zimmer – 2 Doppelstockbetten. Wir könnten hier also zu 8 übernachten.. plus noch die Couch und 2 Badezimmer. Das wirklich Erwähnenswerte ist aber die tolle Aussicht auf den Flughafen, wo besonders der Sohnemann nahezu Stunden am Fenster klebt und den Abflug der Flugzeuge beobachtet. Oder dann das Frühstück mit dem angrenzenden Spielzimmer. Habe ich schon einmal erwähnt, dass wir hier im DACH-Raum einfach nicht kinderfreundlich sind?

Gränna – Zuckerstange, eine verlassene Burg und eine hauseigene Sauna

Nach der kurzen Nacht – zwei von dreien hätten dann schon noch länger schlafen können – machen wir uns auf zu unserem ersten Ort im Landesinneren. Natürlich nur, nachdem wir vom Bett noch ein paar Flugzeugen beim Abfliegen zugeschaut haben.
Einen ersten Zwischenstopp gibt es in Linköping: Spielplatz, Kaffee und Zimtschnecken. Der Spielplatz hat übrigens lustige Eier aufgestellt. Sie wechseln die Farbe und spielen verschiedene Musik ab, sobald man das Ei berührt.

Als wir in Gränna ankommen, ist es schon dunkel. Also, wir reden hier von 15.45 Uhr. Aber wir sind ja auch im Urlaub, um zu entspannen. Unser AirBnB befindet sich auf einem grossen Landstück. Etwas weiter entfernt wohnt der Besitzer, weiter hat es zwei Gästehäuser, ein Rutschbahnhaus und (wie von uns aktiv gesucht) ein Saunahäusschen. Freitag ist Fajitatag und so kochen wir uns mexikanisch, und sobald Roan im Bett ist, geht es für uns in die Sauna. Genau so haben wir uns das vorgestellt. Etwa um halb 10 Uhr fallen wir dann auch schon fix und fertig ins Bett.

Am nächsten Tag besuchen wir das kleine Örtchen Gränna. Dieses ist von Zuckerstangen geprägt und so findet sich auch vor der Tankstelle eine riesige Zuckerstange. Warum all das? Nach Überlieferungen ist die Zuckerstange 1835 von einer 35-jährigen Frau erfunden worden. Die bekannteste Zuckerstange ist die rot-weisse Version, die nach Pfefferminz schmeckt. Mittlerweile gibt es zahlreiche Sorten davon. In Gränna gibt es ein paar Verkaufsstellen, wo man die sogenannte Polkagris gleich bei der Entstehung beobachten kann. Selbstverständlich gibt es auch andere Leckereien, die äusserst hübsch mit Anekdoten an Pippi Langstrumpf oder Emil Lönneberga (hierzulande als Michel von Lönnaberga bekannt) verpackt sind. 

Auch sonst lässt sich das Örtchen ansehen, mit den hübschen (roten) Häusern, dem Hafen und der verlassenen Burgruine Brahehus slottsruin. 

Ein Rutschbahnhaus
Saunahäusschen
Burgruine mit tollem Ausblick
Mauer und mit Fenster mit Blick auf das MEer

Eskjö – eines der besterhaltensten Holzdörfer

Laut Wikipedia handelt es sich bei Eskjö um eines der besterhaltenen Holzdörfer. Das Wetter meint es an diesem Tag nicht besonders gut mit uns, aber der kleine Schneesturm hat auch etwas Romantisches. So spazieren wir durch die Gassen, schauen uns die hübschen Läden an und geniessen, wie jeden Tag in Schweden: Zimtschnecken und Chai Tea Latte für die Grossen – und Croissant und Babyccino für unseren Junior. Und just fürs Foto hat der Sturm aufgehört.

Rote Häusschen
Ein typisches schwedisches Häusschen spiegelt im Wasser

Mosse Nationalpark: Kurze und lange Wanderwege

Wir sind für diese Südschweden-Ferien etwa zwei Wochen später unterwegs, als wir es auf unserer ersten Südschwedenreisen gewesen sind. Vielleicht aber spielt einfach auch das Wetter nochmals anders mit. Es schneit oder rieselt deutlich mehr als beim letzten Mal und so fallen unsere Wandertouren etwas rarer und wenn dann kleiner aus. Immerhin schaffen wir es in den Mosse Nationalpark, welcher gleich auch hübsch anzusehen ist. Durch den Wald und über Holzstege läuft man über Moos, bis an einen hübschen See. Aber seht selbst:

Mann und Kind am Spatzieren
Wunderberry im Nationalpark
Kleiner Junge spaziert durch den Wald
Ausblick im schönen Nationalpark

Eriksberg – Safari in Schweden

Wir fahren nun weiter an die Küste. Hier gäbe es zahlreiche Stopps, die uns bestimmt schampar gefallen würden, aber da ich mich nicht gut fühle, beschränken wir uns auf längere Aufenthalte an wenigen Orten. Ein Zwischenhalt legen wir in Växjö ein. Einmal richtig Austoben für den jungen Mann und auch wir schlendern gerne durch das Örtchen.

Dann geht es auch schon weiter zum Wildpark. Eriksberg Hotel und Nature ist ein kleiner Glücksgriff. Oder besser gesagt ein ganz grosser. Ein riesiger Hof kommt gleich mit einem Hotel, einem Wildpark und einer Wellnessanlage mit. Tagsüber sind wir quasi zu Fuss auf Safari und gucken uns Hirsche, Mufflons, Wisente und Wildschweine an. Das dämmerige Licht spielt uns sehr gut zu und setzen die Tiere perfekt in Szene.
Zum Nachtessen geniessen wir wunderbar frisches Wild. Früher war „Wild“ nicht so meins. Mittlerweile essen wir vielleicht noch an 1-2 Tagen pro Woche Fleisch und dann darfs gerne auch qualitatives Fleisch sein. Frischer als hier vom Hof geht es kaum noch und so schmeckt uns vom Reh, über die Wildsau, auch der Hirsch-Hauswurst.
Danach stecken wir unseren Sohn ins Bett und wir geniessen noch etwas die Sauna und das Schwimmbad. Ein Hoch auf das Babyphone.

Wir können diesen Wildpark und das ganze Drumherum wärmstens empfehlen. Jetzt im November haben wir fast alles für uns – auch die Tiere.

viele Hirschen auf einem Fleck
Wildtiere in Südschweden im Wald
Wisent

Zwischenhalt in Glasrikets Älgpark: Elche sichten und füttern

Unser nächster Halt ist eher zweckmässig. Wir halten in Gläsrikets, um den Elchpark zu besichtigen. Klein, aber fein und wir hatten viel Spass. Die Tiere strahlen eine Ruhe aus und geniessen ihr Futter, welches wir ihnen reichen. Der kleine Souvenirshop lässt uns anschliessend wieder etwas aufwärmen und schon ziehen wir auch weiter. Ich habe den Sohnemann fast etwas verzweifelt versucht zu überreden, ob er denn kein kuschliges Elch-Plüschtier will. Aber da war nichts zu machen. Er hätte wohl lieber den richtigen Elch gleich mitgenommen – aber das kann er dann machen, wenn er 18 ist 😄.
Danach erhalten wir eine Nachricht, dass unser AirBnB ein Heizungsproblem hat. Der Besitzer hat sich allerdings schon um einen alternativen Ort für uns umgeschaut und so kommen wir ohne Zusatzkosten bei einem seiner Freunde unter, der ebenfalls ein AirBnB besitzt. Unkomplizierte Lösung für alle Beteiligten. Generell ist hier einfach alles entspannt. Und ja, vermutlich für einmal auch wir 🙂. 

Elch
Elch liegt im Schnee
Elch liegt im Schnee hinter Bäumen

Gesund und stilsicher übernachten: The cabin – landet stay

Irgendwo beim furchtbar unvernünftigen Scrollen auf digitalen Kanälen ist mir “the cabin” unter die Augen gefallen. Eine kleine, lauschige Unterkunft inmitten des Waldes, ausgestattet bis ins letzte Detail und von einem Schlafforscher eingerichtet und erprobt. 10 Minuten zu Fuss zum See und zum Saunahäuschen und überhaupt. Doch das machen wir. 

Die Anfahrt ist schön und wir landen irgendwo im Nirgendwo.

So haben wir gekocht, Bücher angeschaut, Musik gehört, spazieren gegangen und uns ein Aperitif gegönnt und sind relativ früh schlafen gegangen. Alles ganz stilhaft. Wann sind unsere Ferien eigentlich so gemütlich geworden? Oder fasst man das schon als langweilig auf? 

Ein Cabin inmitten der Natur
Frühe Dämmerung in Schweden

Bevor wir zu unserer nächsten lauschigen Unterkunft fahren, besuchen wir noch das kleine Örtchen Trosa, welches ebenfalls ein richtiges Schmuckstück ist. Die flachen Holzhäuser zieren sich entlang des Flusses. Übrigens wird der Ort auch “Weltenende” genannt, allerdings ist unklar, woher dieser Beinamen stammt.

Trosa ist ein härziges Städtchen und zeigt viele Holzhäusschen. Das Besondere hier im hohen Norden, finde ich immer, wie schön die Fenstersims geschmückt sind. Weiter geht es dann auch schon nach Norrköping. Offensichtlich ist Norrköping früher eine Industriestadt gewesen. Der tief hängende Nebel sorgt für eine mystische Stimmung und die Weihnachtsbäume für eine weihnachtliche Atmosphäre. So schlendern wir auch hier wieder gemütlich hin und her und entdecken per Zufall das hübsche Café mit den wunderbaren Zimt-, Kardamom oder Safranschnecken. Im Fall: Die Safranschnecken lohnen sich nicht weniger, als ihre berühmten Geschwister.

Holzhäusschen
Buchhandel in Trosa
Gelbes Gebäude hübsch verziehrt

Auch in Norrköping legen wir einen Halt ein. Allerdings sind wir nur für knapp zwei Stunden da. Besonders gut gefällt uns, die Tannenbaumstrasse, der Hafen und das wirklich fast jeder Ecken weihnachtlich dekoriert ist.

Ein weiterer Stopp legen wir in Skärholmen ein. Dort befindet sich ein Ikea in einem runden Gebäude auf 4 Stöcke. Um die schwedische Kultur zu huldigen, essen wir dann selbstverständlich Köttbular und Stocki. Hätte ich übrigens gewusst, dass die schönen Trinkgläser im Ikea bei uns nicht gibt, hätte ich dort definitiv ein paar gekauft. Nun gut, vielleicht ist es besser, dass ich es nicht gewusst habe 🙂. Dann machen wir uns auch schon bald zur Hauptstadt auf. Auch zwischen dem Cabin und Stockholm hätten wir noch gerne den einen oder anderen Stopp hingelegt, aber da ist bei mir momentan nichts zu machen.

Stockholm: BlackFriday, Astrid Lindgren, Tapas und Weihnachtsmärkte

Zurück in Stockholm. Ich bin bereits zum dritten Mal hier (einmal für den Silvester und einmal kurz bevor es nach Aland ging) und doch kann ich nicht behaupten, dass ich Stockholm wirklich kenne. Für Stefan ist es das erste Mal. Auch hier gehen wir nicht gross den Sehenswürdigkeiten der Stadt nach, sondern lassen uns durch die verschiedenen Viertel treiben. Treiben trifft es übrigens ganz gut, denn es ist Black Friday und die Einkaufsstrassen und -gassen sind voll.

Junibacken: Astrid Lindgrens Geschichten trifft auf Indoor Spielplatz

Umso mehr begeistert uns Junibacken. Angepriesen wird es als Kindermuseum. Wer aber hierzulande schon einmal ein Kindermuseum besucht hat und dann Junibacken besucht, der wird begeistert sein. Mit einem klassischen Kindermuseum hat das nicht viel zu tun. Nennen wir es themenbezogene Indoorspielplatz, wobei Geschichten rund um Astrid Lindgren im Vordergrund stehen und weniger, bewegungsintensive Spielapparate. Zudem gibt es einen (Luft)Zug, der durch mehrere Geschichten führt, welcher Kinder und auch Erwachsene staunen lassen. Am Schluss lässt es sich in der Villa Kunterbunt klettern, rutschen, backen und einfach eine schöne Zeit haben.

Kind spielt in der Holzhüsse
holzspielzeug
Figur strahlt zum Himmel herauf
gelbes Haus von Pippi Langstrumpf als Spielhaus

Tapas in Stockholm: Aqui

Natürlich darf ein Besuch im Tapas-Restaurant Aqui nicht fehlen. Damals auf der Reise nach Aland entdeckt, war es ein freudiger Besuch – und es schmeckt immer noch fantastisch. 

Weihnachtsmärkte gibt es übrigens auch ein paar. Und das auch schon Ende November. Der Weihnachtsmarkt in Gamla Stan ist eher klassisch. Bei dem Weihnachtsmarkt von Kungsträdgarden handelt es sich um Produkte von Studenten, die während ihrer Projektzeit entstanden sind. Zahlreiche Gruppen buhlen um die Aufmerksamkeit der Besuchenden. Was für eine wundervolle Idee. 

Tisch mit selbstgemachten Sachen
Schiffe und Gebäude im Hintergrund

Trivia: Wunderberry in Südschweden


Wie immer: Anekdoten, Erlebnisse und subjektive Momentaufnahmen, wie wir sie erlebt haben:

  • Etwa von halb Acht bis ungefähr so um Drei Uhr Nachmittags war es hell. Ab 15.15 begann die Dämmerung und vielleicht eine halbe Stunde später war es schon wieder dunkel. Das Melatonin schlägt dann schneller zu. Zum Glück haben wir unser herzigen Wirbelwind mit dabei – sonst wären wir vielleicht noch fauler gewesen 😀.
  • Ich habe das neue Buch von Dan Brown begonnen. Und ich bin irgendwie wütend auf dieses eine Buch gewesen. Lässt er sich so viele Jahre Zeit und das Buch beginnt, wie beim letzten Mal. Wirklich? Tja. Wirklich. Aber auch nur, weil ich versehentlich den Vorgänger erwischt und so tatsächlich dieses Buch schon gelesen habe. Nach gut 100 Seiten, irgendwie wissend was passiert und doch keine Ahnung mehr zu haben, habe ich das Buch weggelegt und das war es für mich mit den Bücher auf dieser Reise. Kei Luscht me kä.
  • Hier kommt das Babyccino für den Sohnemann des Öfteren mit Zimt, anstatt mit Kakao oder Schokoladenpulver. Sehr sympathisch – vor allem gerade in der Weihnachtszeit – und zuckerfrei. 
  • Weihnachtsschmuck und Fensterdekoration. Das kann niemand so gut wie der Norden. Praktisch jedes Fenstersims ist mit LED-Kerzen oder sonstiger Deko ausgestattet. Obwohl es eine kalte Jahreszeit ist, wirkt es mit den ganzen Lichtern doch irgendwie warm. Wer “Weihnachten zu Hause” auf Netflix kennt, weiss vielleicht, was ich meine 😀
  • Gibt es Naturjoghurt in kleinen Packungen? Wir sind nie fündig geworden und haben ein Naturjoghurt im vermeintlichen Milchbeutel gekauft. Geschmacklich top, etwas flüssiger, aber halt einfach viel zu gross fürs umherreisen.
  • HejHej so begrüsst man sich hierzulande. Auch unser Sohnemann hatte den Dreh rasch heraus. Und so werden nicht nur Schwedinnen und Schweden, sondern auch Elche und Hirsche begrüsst 🙂.

Und so haben wir wunderbare und tiefenentspannte Tage in Südschweden verbracht. Ganz bestimmt kommen wir wieder einmal her, war das doch nur ein weiterer kleiner Vorgeschmack. Wir mögen das HejHej-Land sehr – auch in der zweiten November-Hälfte. Wer die Netflix-Serie “Weihnachten zu Hause” mag (wird in Norwegen gedreht), kriegt so in manchem Örtchen ein ähnliches warmes Gefühl – trotz der teils eisigen Kälte. Leider konnte ich mein Vorhaben – Eisbaden – dieses Mal nicht umsetzen. Aber vermutlich bekomme ich schon sehr bald eine Möglichkeit dazu 😉… Wir werden berichten.

Schöne Natur mit Nachmittagsstimmung
Rotes Häusschen in der Natur
Dämmerung in Südschweden. Im November ab 16.00 Uhr ist dunkel

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