EurAsia Italien: Mit dem Zug von Turin nach Florenz auf Genussreise
Und weiter geht es mit EurAsiabytrain Richtung China. Für dieses Mal ist der Ausgangspunkt Turin. Wie weit wir kommen? Das lassen wir offen. Je nach Lust und Laune sind wir unterwegs am Entdecken oder verweilen dann doch eher am Meer.
Zugegebenermassen freue ich mich so mässig auf EurAsia in Italien. Turin, die letzte Etappe von EurAsia, war mehr ein Städtetrip als eine Reise, hat mir aber sehr gut gefallen. Jetzt mache ich mich auf verlotternde Züge, Verspätungen, verhunzte Bahnhöfe und dreckige Sitze gefasst. Ein Vorurteil? Vielleicht. Vielleicht ist es aber auch, dass die letzten Wochen einfach mühsam waren. Eigentlich sind wir im Getue seit 2020. Manches selbstverschuldet, manches einfach die Umstände, die so mit sich kamen. Unser Ziel ist es, dass wir alle diesbezüglichen offenen Punkte bis Ende 2026 erledigen können. Denn nächstes Jahr ist dafür sicherlich keine Zeit, keine Lust und auch keine Kapazitäten mehr.
Das Positive am Zugfahren: Wir haben den grossartigen Benefit, dass wir teilweise kostenlos im Ausland (also in Europa) mit der Bahn reisen können oder 50% des Bahnbillettes bezahlen. Italien ist hierfür aber wie auch Schweden ein eher schlechtes Beispiel. Die italienischen Schnellzüge FrecciaRosso und FrecciaBianca sind für den FIP-Tarif (Internationale Fahrvergünstigung für Eisenbahnpersonal) nicht zugelassen. Da lohnt sich teilweise also auch wieder für uns ein Blick auf die Sparbillette, welche auch über www.sbb.ch bezogen werden können. Und sonst fahren wir einfach vermehrt Regionalzüge. Diese können wir für eine ein paar Anzahl Tage im Jahr kostenlos bereisen.


EurAsiabytrain Reiseverlauf Etappe 14: Genuss, Baden am Meer und Städtetrips
Ich habe im Vorfeld nur wenig Zeit, die Reise zu planen. Wir nutzen also den Zeitgeist und setzen im September 2024 ChatGpt zur Reiseplanung ein. Dank unseres Arbeitgebers werden wir frühzeitig auf das Handling mit der künstlichen Intelligenz gut vorbereitet und setzen das Prompting (gute Auftragsgebung an die künstliche Intelligenz) so gut es geht ein. Ich gebe der künstlichen Intelligenz die nötigen Informationen mit. Die Unterkünfte lasse ich bewusst weg, hier lasse ich mein geübtes Auge drüber laufen und bin so schneller und treffsicherer unterwegs. Ein paar Ideen nehme ich gerne auf, andere recherchiere ich bei meinen üblichen Quellen.
Letztes Mal habe ich in Turin Torino aufgehört. Also lautet der erste Halt wieder Turin. Als wir ankommen, regnet es aus allen Löchern. Eine Runde um den Bahnhof reicht uns allemal. Statt den knapp vier Stunden Aufenthalt, welche wir eingeplant haben, zieht es uns sofort weiter. Ich bin ja bereits mit meiner lieben Seele – Ciao Chanti an dieser Stelle – zuvor hiergewesen und Stefan und ich haben Turin auch schon einmal gemeinsam erkundet. Zudem werden wir von zahlreichen Verkäufern belagert, die uns Regenschirme andrehen wollen, so dass wir noch weniger Lust haben, uns nach draussen zu stürzen.
Dumm nur haben wir bereits für unsere Weiterfahrt in einem Regionalzug eingecheckt. In Italien muss man für Regionalzüge einchecken. Bei digitalen Billetten funktioniert dies seit September 2024 automatisch. Für Billette, welche am Schalter bezogen werden oder unsere Spezialbillette funktioniert dies über die App. Auf Nachfrage hin heisst es, dass wir leider diesen Zug nehmen oder ein neues Ticket lösen müssen. Wir geben uns mit der Antwort nicht zufrieden und fragen jemand anderes. Diese Person empfiehlt uns den gewünschten Zug zu nehmen und vorher den Trainmanager anzufragen. Manchmal muss man so lange fragen, bis man die gewünschte Antwort bekommt – zumindest im Ausland. Hierzulande haben wir einen ziemlich aussagekräftigen Tarif 😀.
Und tatsächlich. Wir dürfen auf den gewünschten Zug. Perfekt, denn pünktlich bei Zugabfahrt schläft unser Sohn-nenschein ein.
Savona: Teigfladen Farinata, privater Strand und viele Walliser
Prossima Fermata Savona: Yahoou wir sind da. Das Perron an dem unser Zug anhält, bietet uns schon die erste Herausforderung. Eine lange Treppe hinunter ist weder mit dem schweren Koffer noch mit dem Kinderwagen angenehm. Wir zittern schon mal, ob der Lift wohl funktioniert. Tut er nicht und so tragen wir Kind und Koffer hinunter. Wir haben wirklich Bedauern mit all jenen, welche nicht gut zu Fuss unterwegs sind. Denn wir kennen den kaputten Lift bestens aus Domodossola, der seit über zwei Jahren einfach defekt ist.
Nun suchen wir den Bus auf und fahren etwas ausserhalb der Stadt, denn unser Ziel für die nächsten zwei Nächte ist das Mare Hotel. Ein kleines Hotel mit einem Privatstand. Ich rätsle, wie das Hotel auf meine Liste gekommen ist. Irgendjemand muss es mir empfohlen haben, denn wir sind definitiv nicht die einzigen Schweizer und ich schon gar nicht die einzige Walliserin. Aber nun gut – salü zämu.
In den kommenden Tagen bauen wir mit grösster Mühe Sandburgen, während Roan eher Lust auf grosse Ruinen hat. Wir gehen im Meer baden, trinken absichtlich – nicht die grossen – und unabsichtlich – die grossen – Salzwasser.





Savona: Burg mit allerbester Sicht auf die Stadt und Farinata
Irgendwann wollen wir uns die Beine vertreten und begeben uns nach Savona. Dank der kostenlosen Buskarte können wir zwischen dem Hotel und Savona hin- und herpendeln. Wir steigen im gelben Quartier aus – in Google Maps sind die hübschen Viertel immer gelb markiert – und gehen auf eine Burg zu. Von dort geniessen wir eine wunderbare Aussicht auf Savona und das Meer.
Später will ich unbedingt die Farinata probieren. Eine Spezialität aus Savona, die eine Art Teigfladen mit Kichererbsenmehl ist. Hierzu finden wir das Lokal Vino et Farinata. Es gibt zwei verschiedene und wir probieren gerne beide aus. Wir bestellen drei Portionen, verstehen aber eigentlich nicht genau, was sie damit meint und da sie nicht aufhört uns massenhaft Teigfladen in die Tüte zu geben, sagen wir dann irgendwann, dass das nun so gut ist. Wir mögen beide die Farinatas sehr. Während ich die teiglastigere Variante ein bisschen mehr bevorzuge, präferiert Stefan eher die andere Variante.







Weiterfahrt nach Genua: Das beste Pesto, ein schöner Hafen und komische Gassen
Wir planen die rund einstündige Fahrt mit dem Regionalzug, um die Mittagszeit ein. Roan schläft – wenn doch Pläne immer so gut aufgehen würden 😉 – und wir können etwas essen, Musikhören und aus dem Fenster starrend, etwas tagträumen. Es gibt übrigens auch schnellere (halbstündige) und längere Verbindungen nach Genua. Da wir aber mit den Regionalzügen kostenlos fahren können, und die Fahrtzeit ungefähr der Mittagsschlafzeit des Sohnes entspricht, passt dies gerade perfekt.
Der Bahnhof in Genua ist schön. Die Strassen zu unserem Apartmenthotel eher nicht so. Wir gelangen in eine komische Gasse hinein und neben weitverbreiteter Hundekacke, findet in einem Coiffeursalon auch noch eine Razzia statt. Ehm ja. Ich bin nur semi-begeistert. Wir entscheiden uns kurzum für ein Mittagessen.
Trofie al Genovese ist in Genua – ja vermutlich in Ligurien ein Ding. Sie sind aber auch gut und so haben wir eine schampar gute selbstgemacht Pesto al Genovese in der Trattoria Rosmarino gegessen. Mit nativem Olivenöl und selbstgebackenem Brot. Einziger Wermutstropfen? Die Trofie kommen für gewöhnlich als Primi Piatti daher. Für heute reicht es aber mehr als gut.


Endlich finden wir unser Apartmenthotel und der Lift stammt wohl aus dem sechzehnten Jahrhundert. Laut Google war es wohl um die 1857, als der erste Lift gebaut worden ist, aber item, er war alt. Nach kurzem hin und her, beziehen wir unser Zimmer mit Bad. Meine Laune ist schon noch etwas im Keller, denn das Hinlaufen dahin war einfach nur “grüsig”.
Der Hafen und die Piazzas vermögen meine Stimmung wieder etwas aufhellen. Spätestens beim Boccadasse Beach und beim Apéro geht es mir wieder gut. Mit diesem Boccadasse Beach und den umliegenden Häusern fühlt man sich etwas wie in der Cingue Terre und macht Lust auf die kommenden Tage.



Am Tag danach machen wir uns auf zu einem kleinen Brunchlokal namens Caffè Fratelli Nadotti. Dieses befindet sich just neben der Puffstrasse der Magdalena. Sowas trägt irgendwie auch dazu bei, dass ich nicht so richtig warm mit Genua werde. Immerhin kann ich nicht über den Kaffee und die Waffel klagen. Der und die war sehr gut. Stefan wird eher warm mit der Stadt, während ich mich dieses Mal schwierig tue.


Am Hafen ist Markt und es landen noch einige Focaccias in unserem Gepäck – natürlich mit Pesto al Genovese. Für das Aquarium ist zu schönes Wetter und so besuchen wir den Hafen und staunen ab den grossen Yachten. Schon noch schön. Lustigerweise muss ich nun zugeben, dass die Fotos schöner aussehen, als ich es hier beschreibe. Ziemlich sicher habe ich aber auch nur die ansehnlichen Dinge fotografiert.
Dann zieht es uns auch schon weiter und unser nächster Halt ist Rapallo.







Rapallo: Apéro, fantastische Aussichten mit der Seilbahn und gemütliche Ufer
In Rapallo fühlen wir uns sofort angekommen und äusserst wohl. Vielleicht auch grad, weil Genua so stressig und teilweise so schmutzig war, so fühlt es sich hier deutlich angenehmer an. Und man muss nicht vor jedem Tritt Respekt davor haben, irgendwo in einen Hundehaufen zu treten. Hier in Rapallo gibt es viele Plätze, Bänke und Spielplätze (mit Eisenbahn!), die uns so allen Spass machen.
Einen tollen Aperitivo geniessen wir in der Bar Enoteca Il Castello. Der Aperol Spritz ist gut, das Plättchen dazu auch und die Aussicht sogar noch besser. Hier haben wir uns sehr wohlgefühlt.









Seilbahn Funivia Rapallo – Montallegro: Schöne Aussichten bei der Wallfahrtskirche Monte Rosa
Um auch die Fernsicht zu geniessen, nehmen wir die Seilbahn von Rapallo nach Montallegro. Es gibt einige hübsche Spaziergänge und das eine und andere Restaurant, um ein typisches italienisches Apéro zu geniessen.






Rapallo ist übrigens unsere Ausgangssituation für die kommenden Dörfer. Wir übernachten dazu im Best Western Plus, welches über eine schöne Dachterrasse mit Blick übers Meer hat. Dazu kann man sich einen tollen – wenn auch nicht ganz günstigen Apéritivo mit einem tollen Plättli genehmigen.



Camogli und San Fruttuoso: Schönes gemütliches Dorf und die Abtei mit dem blauen Wasser
In nur 8 Minuten von Rapallo aus, sind wir in Camogli. Hier ist Markt und wir schlendern durch den durchaus schönen Künstler-Markt. Auch sonst gefällt uns Camogli so richtig gut. Hier wirkt alles so herausgeputzt, sauber und schön. Allerdings wie immer, möchten wir beide nicht an einem heissen Sommertag hier verweilen. Aber gut möglich, dass wir irgendwann mal wieder kommen.





Von Camogli fahren wir mit dem Boot zum berühmten Abtei von San Fruttuoso. Die Abtei ist nur via Schiff oder via Wanderweg erreichbar. Mit dem strahlendblauen Meer und dem Klosterkomplex wirkt dieser Ort ganz schön. Das wissen aber vierhundert andere Leute auch. Immerhin sind es dann wieder nur zehn und wir, die den Weg ins Wasser finden und das geniessen wir ganz fest, denn das Wasser wirkt in allmöglichen türkisfarbigen Nuancen und ist herrlich erfrischend. Eine Liege mieten wir nicht, denn die kostet ein Vermögen. Mitunter auch ein Grund wieso ich bei Italien immer wieder den Kopf schüttele. Aber wir legen unsere Tücher im nicht abgesperrten Bereich hin und haben so einfach eine fantastische Zeit. Anschliessend laufen wir durch die Mauern der Abtei und finden ein paar schöne Fotosujets.






St. Margherita Ligure Portofino: Breite Promenaden und viele Palmen
Santa Marherita Ligure Portofino ist schön und wirkt irgendwie herausgeputzt, aber auf die lockere Art und Weise. An diesem Tag ist aber ein Spinning Event und so wirkt alles etwas voller als es vermutlich sonst ist. Laute Musik, viele Absperrungen und noch mehr Menschen. So schlendern wir so gut es geht entlang der Promenade und bereuen es etwas ausgerechnet heute hier zu sein. Wir geniessen trotzdem das eine und andere Apéro, aber geloben uns für ein anderes Mal wieder herzukommen.






Portofino: Schick und schön am Morgen früh
Für Portofino stehen wir früh auf. Sozusagen vor der Menschenmasse. Wir erwischen einer der ersten Busse (Bus Nummer 82) von Santa Margherita Ligure nach Portofino. Die Fahrt dauert normalerweise 15 Minuten – ausser es ist viel Verkehr, dann kann es schon deutlich länger dauern. Schon im Bus bekommt man ein Gefühl für die Topografie: Steil, Grün und kompakt. Dabei erhascht man immer wieder einen Blick auf das Meer. Da der Busfahrer das langsame Bremsen nicht so kennt, muss ich mich einmal mehr zusammenreissen, dass mir nicht schlecht wird. Kleiner Tipp am Rande: Unbedingt auch gut die Rückfahrt einplanen – hier kann es gegen den Nachmittag einen Menschenstau geben, da eigentlich fast immer alle zur gleichen Zeit nach Hause wollen.
Wir erkunden das Städtchen und schlendern neben dem Louis Vuitton Store und einem Dolce Gabbana Café vorbei und wir erhaschen den ersten Blick auf den Yachthafen. Ob sich vielleicht doch noch irgendwo George Clooney versteckt? Hier am Hafen geniessen wir ein Frühstück. . Nur ja nicht auf die Bewertungen schauen – die sind fast alle schlecht. Wie es sich herausstellt trifft das eher aufs Mittag- oder Abendessen und weniger auf das Kaffee mit Gipfeli. Das Gipfeli ist übrigens fein, auch wenn die süssen Varianten eher weniger mein Ding sind, da es mir den Blutzucker schon zu früh hoch nach oben treibt. Später laufen wir hoch zum Castello Brown, wo es einen wunderbaren Ausblick auf den Hafen und Portofino gibt. Wir ruhen uns ein wenig aus, während der Sohn-nenschein eifrig die Umgebung erkundet.






Follonica: Kindheitserinnerungen und Ausruhen im Hotel the Sense Experience Resort
Nächster Halt? Follonica. Von Rapallo nach Follonica dauert es ungefähr zwei Stunden und fünfzig Minuten.
Wie viele Jahre ist es bitte her, seit ich mit meinem Eltern im Reka-Dorf gewesen bin? Es muss ewigs her sein, aber ich habe immer noch wunderschöne Erinnerungen daran. Warme Sonnenstrahlen auf der Haut, viel Spielen, feines Essen – als ob es gestern gewesen wäre.
Nach ein paar Tagen im Entdeckungsmodus, wollen wir es nun etwas gemütlicher angehen. Das Hotel Sense Experience Resort ist schön am Meer gelegen, wir baden, bauen Sandburgen und lassen die Seele baumeln. Und das Restaurant bietet ein feines Parmigiana. Am liebsten hätten wir den Koch nach dem Rezept gefragt, denn so gut kriegen wir unseres nicht hin.
Und dann? Und dann steigt meine Kamera aus. Noch ein Foto vom Sohnemann und Stefan im Meer und zacks: Die Verschlusslinse schliesst nicht mehr. Dass bitte darf doch nicht wahr sein ☹️. Ferien ohne Kamera ist mitunter ein kleiner grosser Weltuntergang für mich. Ich fasse mich nur langsam wieder, aber ich erspare Euch mein Jammern. Das der eigentliche Weltuntergang erst noch kommen würde, habe ich an dieser Stelle noch nicht gewusst.







Pisa: Kurzer Turm und die ersten (längeren) Schritte
Es ist das erste Mal, dass ich fluche, dass ich nur ein Mittelklasse Mobiltelefon mit mir herumtrage, weil bisher immer mein Tonus war: Die Kamera ist fürs Fotografieren zuständig und das Mobiltelefon macht alles andere. Alltagssituation funktionieren ja ganz gut mit dem Ding, aber da ist das neueste iPhone meinem älteren Nokia halt schon ein paar Meilen voraus. Aber item. Die Reise geht weiter. Trotz kaputter Kamera.
Etwas über eine Stunde dauert die Zugfahrt von Follonica nach Pisa.
Eigentlich nur ein kurzer Zwischenstopp um Stefan den schrägen Turm zu zeigen und ein bisschen durch das Städtchen zu pilgern. Dabei hätte Pisa gewiss auch noch mehr in Petto. Wir sitzen uns ins Gras und geniessen die spätnachmittagliche Stimmung zwischen all den Leuten. Just in dieser Zeit macht unser Sohn seine ersten längeren Schritte komplett alleine. Er freut sich wie wild und wir gleich mit. Und all jene Menschen, die diesen Moment miterleben, freuen sich mit uns mit. Ein Moment für die Ewigkeit.

Florenz: Einheimische Trattoria, Trüffelteigwaren und Influencer-Hype
Von Pisa nach Florenz ist es auch nochmals eine gute Stunde mit dem Zug. Here we are. Als erstes bringt Stefan seinen heissgeliebten Spruch: “Oh five Guys” – hier müssen wir hin. Bei “five Guys” handelt es sich um einen (ich darf nicht billig schreiben) McDonald Abklatsch. Überall auf der Welt sehen wir den, aber ausser für ein paar Pommes, haben wir noch nie mehr davon probiert. Wir schaffen es auch heute nicht ins five Guys. Ma certo – sind wir doch in Italien und können da nicht einfach furchtbaren (meine Worte) Fast Food essen gehen.
Quasi nebendran und noch immer im Bahnhof gibt es die Gelateria Venchi. Diese wirbt mit Blutorangeneis. Ich mag zwar Eis – am liebsten das aus der Gelateria die Berna -, aber die Blutorange überzeugt mich sofort. In Kombination mit Schokolade, ist dies ein wahrgewordener Traum.
Wir schauen uns die Ponte Vecchio an – einmal mehr – auch wenn es bei mir glaub ich schon über 15 Jahre her ist. Wir lassen uns auf der Piazza del Duomo und auf der Piazza della Repubblica treiben und geniessen Florenz. Der Aperol Spritz mit Aussicht lässt sich sAuf den Sonnenuntergang bei der Piazzale Michelangelo verzichten wir, da Roan irgendwann mal noch ein Bett sehen sollte.





Restaurant-Tipps: Florentiner Fleisch und Trüffelteigwaren
Einheimmische Trattoria Mario: Florentiner Steak – Bistecca alla Fiorentina
Hier in der Trattoria Mario klopft man an und hofft auf einen Platz. Tourist:innen sind in der Unterzahl, man sitzt zwischen Handwerkern und Einheimischen. Die Bedienung kann auch gerne mal ruppig, aber immer noch charmant sein. Stefan geniesst eine frisch zubereitete Bolognese und ich wage mich an ein Stück Fleisch. Dieses ist etwas gar rot für meinen Geschmack, aber ansonsten ist es sensationell. Und das alles sehr preiswert.
Übrigens wer sich fragt, was der Unterschied zwischen einer Trattoria und einer Osteria ist: Die Trattoria ist häufig ein kleines, familiengeführtes Restaurant mit einer kleinen aber festen Karte. Eine Osteria war früher eine einfache Weinwirtschaft. Mittlerweile weisen diese häufig auch eine sehr kleine Karte auf – von schlichter bis gehobener Küche.
Il grande Nuti Trattoria: Trüffelnudeln mit viel Parmesan
Ihr wisst – wir sind Trüffelliebhaber. Diese Il grande Nuti Trattoria befindet sich in einer breiten Touristenstrasse und so kommt es, dass wir zwei kleinere Teller und ein Glas Wein einfach so über 100 Euro bezahlen. Im Vergleich zur Trattoria Mario wirkt das wie ein schlechter Witz. Gut waren sie, aber das wars dann auch. Lieber wieder die hinteren Trattorias ansteuern, als einfach über den Tisch gezogen werden. Und nein, es gibt weder ansehliche Fotos vom Mario noch von den Trüffelnudeln. Daher müssen für einmal unsere Worte reichen.
Et basta. Hier endet mein Aufenthalt in Florenz. Also fast. Ich habe eine Lebensmittelvergiftung und weiss nicht, ob ich dem Fleisch oder den Trüffel die Schuld in die Schuhe schieben soll. Es geht mir so schlecht, dass ich das Badezimmer während Stunden nicht verlasse. Da es mir unmöglich ist abzureisen, müssen wir wohl oder übel (oder eigentlich nur übel und übel) verlängern und auch noch ein neues Hotel buchen, weil das jetzige ausgebucht ist. Stefan tut sein bestes, um eines in der Nähe zu finden. Aber auch die fünf Minuten zu Fuss schaffe ich nicht, und so bestellen wir uns ein Taxi. Für weitere zwei Tage vegetiere ich in einem muffigen Zimmer vor mich hin, während Stefan und Roan die Influences-Food-Spots entdecken und ein Besuch bei five Guys abstatten.
Schiacciate: Toskanisches Sandwich
Während Andrea in ihrem Hotelzimmer auf Besserung wartet, gehe ich mit Roan in ausgedehnten Spaziergängen Florenz erkunden. Wir können mit guten Gewissen sagen, dass wir alles gesehen haben, was zu Fuss mit einem Kinderwagen zu erreichen ist. Vom Hotel aus hat unser Weg zuerst dem Fluss Arno entlang geführt. Dort finden wir schöne Spielplätze und gemütliche Parks, wo man sich auch einfach mal hinsetzen und etwas die Ruhe geniessen konnte.
Wenn wir bei der bekannten Ponte Vecchio angekommen sind, waren wir dann mittem im Zentrum. Auf der Ponte Vecchio selbst kann man wegen der angebauten Gold- und Schmuckläden gar nicht mehr erkennen, dass man auf einer Brücke über den Fluss steht. Interessant, aber auch komplett überlaufen.
Nördlich der Brücke erwartet einem die wirklich schöne Altstadt von Florenz. Enge Gassen, grosszügige Plätze und natürlich der Dom zu Florenz bieten einiges fürs Auge. Besonders gefällt mir die Markthalle mit den frischen Produkten aus der Region.
Auf ein kulinarisches Highlight habe ich mich aber schon lange gefreut: Die Sandwiches aus Schiacciate, dem toskanischen Fladenbrot. Auf Instagram fliegen Leute extra nach Florenz, um diese zu verkosten. Der Platzhirsch ist All’Antico Vinaio, wo man aber auch entsprechend lange ansteht. Das Internet hat mir deshalb die Schiacciateria De‘ Neri 18r empfohlen. Der wirklich kleine Laden befindet sich an der gleichen Strasse und sieht schon optisch vielversprechend aus.
Ich habe mich für die Variante “La d’alterio” mit Schinken, Peperoni und Trüffelsauce entschieden. Und meine Erwartungen sind vollumfänglich erfüllt worden, denn das Sandwich ist grossartig. Natürlich steht man auch hier zur Mittagszeit flott an, deshalb gehe ich mit Roan schon am Vormittag vorbei und haben das Sandwich dann am Mittag in einem Park am Fluss gegessen.




Tja. Zurück zu Andrea ins Bett.
Immerhin wird Stefan mir nächstes Mal noch etwas zeigen können, weil schliesslich unsere Reise von hier dann wieder weitergeht. Aber ATTENTIONE – so endet das hier alles noch nicht.
Unsere Heimfahrt – es kam, wie es kommen musste. Die Italiener:innen streiken. Stefan beschäftigt den Sohn-nenschein indess und ich liege immer noch entkräftet auf einer Bahnhofsbank und fluche etwas vor mich hin. Italien – Du machst es mir und uns nicht sooooo einfach 🙂. Aber ich geb Dich noch nicht auf. Wir haben da noch ein paar kuuhle Pläne auf dem Radar.
Trivia Wunderberry’s EurAsia in Norditalien
- Diese Etappe braucht Überwindung. Ich finde Italien eigentlich wirklich schön. Ich mag das italienische Essen, die schmucken alten Dörfer, wie die Cingue Terre– wie immer lieber zu den Nebenzeiten, das Meer..
Aber. Die Preise für die teilweise gebotenen Dienstleistungen sind wirklich obszön. Sogenannte 4 Hotels, die nur schon fast vom Anschauen zerfallen und einfach irgendwie immer schmuddelig wirkt. Die Touristenfallen an den schönen und berühmten Plätze sind wirklich mühsam und das nimmt mir und uns manchmal die Freude. Umso mehr hat uns das Sense Experience in Follonica überrascht. - Die Reise sind wir mehr oder weniger ungeplant angetreten. Wir wussten nicht wie weit wir kommen würden und auf was wir (inklusive der Sohn-nenschein) Lust haben. Florenz ist also unser vorläufig letzter Stopp und nächstes Mal kehren wir hier zurück.
- Der Vorteil von Regionalzügen ist es, dass man ihn nicht reservieren muss. Die Eincheck-Funktion nimmt ein wenig diese Flexibilität, was wir doch etwas schade finden. Wir hoffen fast etwas, dass sich diese Eincheck-Funktion auf Regionalzügen nicht weiter ausbreitet.
- Lustigerweise steht immer mal wieder in den Zügen “running on schedule” oder “arriving on schedule”. Gutes Tun soll man ja auch immer wieder kommunizieren.
- Das Motto dieser Reise war es die Spezialitäten aus zu erkoren. Dass diese Reise (wieder in Italien) mit einer Lebensmittelvergiftung endete, ist daher fast etwas fies. Ansonsten haben wir wirklich gut gegessen, was ich in Italien auch nicht per se immer selbstverständlich finde.
- Wir sind abends so früh im Bett wie noch nie. Dank dem Sohnemann. Da wir unsere Unterkünfte ohne grosse Lobby gebucht haben, bleibt uns nur unser Zimmer. Oder dann das Badezimmer, was jetzt auch nicht so die Option ist. So schlafen wir auch bald einmal und stehen am morgen früh jeweils bestens ausgeschlafen auf.
Und obwohl ich manchmal etwas geflucht habe, es war eine schöne Etappe und ich konnte in Italien ein paar sehr schöne Ecken kennenlernen. Unsere nächste Etappe ab Florenz wird sich nun noch ein wenig hinziehen, da wir grad noch ein paar andere Pläne haben. Ciao for now – Arrivederci.






